Der Saatgutfonds

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung und Jahrtausende altes Kulturgut. Über Generationen hinweg wurde es vermehrt und weitergegeben. Die so entstandenen Kultursorten zeichnen sich durch ihre Vielfalt, ihre Fruchtbarkeit (Nachbaufähigkeit) und ihre regionale Anpassung aus.

Seit den 1920er Jahren findet jedoch eine zunehmende Monopolisierung der Pflanzenzüchtung durch Privatunternehmen statt. Deren Pflanzensorten werden für die konventionelle Landwirtschaft gezüchtet und benötigen viele chemisch-synthetisch hergestellte Dünger- und Pflanzenschutzmittel. Sie sind uniform und anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Ihre Erträge sind maximal, die Lebensmittelqualität spielt dagegen eine geringe Rolle.

Aufgrund der bei diesen sogenannten Hybridsorten angewandten Züchtungsmethoden sind die Sorten zudem nicht nachbaufähig, so dass Landwirte und Gärtner jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen. Dadurch steigt deren Abhänigkeit von wenigen Agrarkonzernen wie Bayer CropScience, Monsanto oder Syngenta.

Deren Sorten sind für die biologische Landwirtschaft nur bedingt geeignet. Denn der Ökolandbau braucht robuste Pflanzen, die auch unter ungünstigen Bedingungen (wie z. B. geringere Nährstoffverfügbarkeit, hoher Befallsdruck durch Krankheiten und Schädlinge) stabile Erträge mit sehr guter Qualität liefern. Außerdem legt der Biolandbau Wert auf natürliche, wohlschmeckende Lebensmittel, deren Grundlage entsprechende Sorten sein müssen.

Aus diesem Grund unterstützt der Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft gemeinnützige Initiativen, die sich für die Erforschung der ökologischen und biologisch-dynamischen  Pflanzenzüchtung engagieren. Er strebt eine eigenständige Pflanzenzüchtung in der biologischen Landwirtschaft für die biologische Landwirtschaft an - frei von Gentechnik, Patenten und Monopolen!

Das bedeutet, dass Praxisbetriebe an der Pflanzenzüchtung und der damit verbundenen Forschung partizipieren und so deren Anforderungen an die Sorten berücksichtigt werden. Die entstehenden Kultursorten sind regional angepasst, widerstandsfähig und liefern beste Lebensmittelqualitäten. Darüber hinaus schaffen die Initiativen eine Vielfalt an hochwertigen Sorten, die fruchtbar und für alle frei zugänglich sind: Es entsteht Kulturgut.

Da die Sortenentwicklung und Züchtungsforschung langwierige und arbeitsintensive Prozesse sind, benötigen die Initiativen entsprechende Unterstützung. So kostet die Entwicklung einer neuen Sorte inklusive der dazu notwendigen Forschung ca. 600.000 € und dauert je nach Kultur 10 bis 15 Jahre. Die Entwicklung neuer Forschungsansätze ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Der Saatgutfonds sammelt daher Spenden, um die gemeinnützigen ökologischen Züchtungsinitiativen zu fördern. Mit Hilfe zahlreicher engagierter Spenderinnen und Spender konnten so bereits viele zukunftsweisende Projekte auf den Weg gebracht werden. Die Früchte dieses Engagements können Sie im wahrsten Sinne des Wortes genießen: teilweise in der Gemüse- oder Backwarenabteilung von Bioläden oder auch als Saatgut für den eigenen Garten oder Balkonkasten.

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