Getreidezüchtungsforschung Darzau - Nicht auf Sand gebaut

Im nördlichen Wendland arbeiten Dr. Karl-Josef Müller und sein Team der Getreidezüchtunsforschung Darzau seit 1989 in der biologisch-dynamischen Züchtungsforschung an verschiedenen Getreidearten. Hinsichtlich des Versuchsanbaus kooperiert Darzau mit biologisch-dynamisch und ökologisch wirtschaftenden Betrieben der Region. Den Schwerpunkt bildet die Entwicklung von Zuchtzielen für Öko-Getreidesorten. Dazu zählen insbesondere erweiterte Qualitätskriterien, Beikrautregulierung durch Sorteneigenschaften, Nachbaufähigkeit der Sorten durch gesundes Saatgut sowie die Schaffung von Alternativen zur Grünen Gentechnik.

In der Züchtungsarbeit werden die Anforderungen an die Pflanzen unter Praxisbedingungen überprüft. Im Vordergrund stehen dabei Roggen, Einkorn, Weizen, Gerste und Hafer.

Eines der inzwischen wohl bekanntesten Beispiele für die Arbeit von Dr. Müller und seinem Team ist der Lichtkornroggen®. Dabei handelt es sich um eine offenbestäubende Population, deren Pflanzen helle Körner entwickeln, die der Sorte ihren Namen gaben. Aus dem Getreide können für Roggen ungewöhnlich helle, lockere Brote von mildem Geschmack gebacken werden. Lichtkornroggen® eignet sich besonders, aber nicht nur für den Anbau auf leichten bis mittleren Böden (also Böden mit höherem Sandanteil), wie sie in Norddeutschland weit verbreitet sind.

Die standortorientierte Züchtung ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Dr. Müller, wie auch die Winterweizenzüchtung widerspiegelt. Gerade sandigere Standorte, wie sie in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg häufig vorkommen, sind eine große Herausforderung für die Erzeugung von Weizen mit guten Backeigenschaften. Daher verfolgt die Getreidezüchtungsforschung Darzau mit Frohwüchsigkeit, geringem Nährstoffbedarf und guter Standfestigkeit der Sorten besondere Züchtungsziele in Kombination mit Backqualität. Die Widerstandsfähigkeit der Sorten insbesondere gegen saatgutübertragbare Krankheiten spielt in allen Projekten von Dr. Müller eine große Rolle, weshalb dazu auch sehr viel Grundlagenforschung durchgeführt wird.

Ein herausragendes Projekt ist die Forschungsarbeit zur Entwicklung von Speisegerste. Da Gerste vorrangig zu Brau- und Futterzwecken angebaut wird, existieren kaum Sorten, die zur menschlichen Ernährung geeignet sind. Ehe die eigentliche Züchtungsarbeit begann, wurden daher umfangreiche Recherchen zur Gerste durchgeführt und wesentliche züchterische und methodische Grundlagen bearbeitet. Mit der Sorte "Lawina" konnte bereits 2003 die erste Sommerspeisegerste aus biologisch-dynamischer Züchtung zur Verfügung gestellt werden. Neue, insbesondere gegenüber saatgutübertragbaren Krankheiten widerstandsfähigere Sorten sollen aktuell zur Marktreife gebracht werden.

Weitere Arbeitsschwerpunkte sind neben Einkorn und Speisenackthafer in jüngster Zeit die Entwicklung von biologisch-dynamischen Wintererbsen sowie Fragen im Saatgut- und Sortenrecht, zur Nachbauregelung und der Finanzierung biologisch-dynamischer und ökologischer Pflanzenzüchtung. Denn für gemeinnützige Organisationen wie die Getreidezüchtungsforschung Darzau ist es Jahr für Jahr eine große Herausforderung, ausreichend Spenden und Fördermittel einzuwerben, um die Grundlagenforschung für die Züchtung in der biologischen Landwirtschaft zu finanzieren.

Unter www.darzau.de können Sie sich ausführlich über die Arbeit der Getreidezüchtungsforschung Darzau informieren.

online-spenden